Margarete Kolb – Innenarchitektin aus Leidenschaft

Margarete Kolb – Innenarchitektin aus Leidenschaft
Margarete Kolb

In dieser Reihe stellt Trainerin und Coach Gertrud Hansel (Inhaberin der Schule für Unternehmer) Frauen vor, die den Weg in die Selbstständigkeit gewagt haben und damit sehr erfolgreich sind. Diesmal spricht sie mit Margarete Kolb, der Gründerin des Innenarchitekturbüros Kolb PartG mbB aus Stadtbergen. Die Innenarchitektin hat als Freiberuflerin begonnen und führt nun seit fast 40 Jahren als Einzelunternehmerin ein erfolgreiches Innenarchitekturbüro mit zehn Mitarbeitern.

Im Laufe der Zeit sind ihre drei Kinder in das Büro eingestiegen. Seit Anfang des Jahres 2025 ist das Büro eine Partnerschaftsgesellschaft. Ihr Sohn Matthias Maier, Dipl.-Wirtsch.-Ing., der schon zehn Jahre im Büro mitarbeitet, wurde zum Mitgesellschafter. Damit ist der Weg geebnet, dass das Büro Kolb in zweiter Generation weitergeführt wird. Wie ihr Weg begonnen hat und wie sie es geschafft hat, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, erzählt sie unter anderem im Interview.

Gertrud Hansel: Liebe Frau Kolb, Ihr Weg als Unternehmerin begann vor über 40 Jahren. Wie kam es denn dazu?
Margarete Kolb: Eigentlich hatte ich nicht vor, selbstständig zu sein. Nach meiner Schreinerlehre und dem erfolgreichen Abschluss der Ingenieurschule (Dipl. Ing. Innenarchitektin) arbeitete ich zunächst in Festanstellung. Nachdem dies aber nicht meinen Vorstellungen von klassischer Innenarchitektur entsprach, erfüllte ich mir diesen Wunsch mit Eintritt in die Elternzeit als Soloselbstständige. Als meine Kinder in die Schule kamen, habe ich zusammen mit einer Kollegin in 1986 eine Bürogemeinschaft mit den ersten Mitarbeitern gegründet. Seit 20 Jahren bin ich in Stadtbergen, einem ehemaligen Bauernhof, den ich gekauft, umgeplant, saniert und umgebaut habe. Hier sind im früheren Stadel, ebenerdig mit Garten, die Büroräume eingezogen und völlig separat im 1. OG befindet sich
meine private Wohnung.

Gertrud Hansel: Was waren für Sie die größten Herausforderungen bei der Gründung Ihres Architekturbüros?
Margarete Kolb: Die Gründung selbst war nicht die Herausforderung, da ich langsam wachsen durfte. Die größte Herausforderung war es, mit wachsender Mitarbeiterzahl die damit erforderliche Präsenz im Büro zu gewährleisten und der Verantwortung für drei Kinder als alleinerziehende Mutter im gleichen Maße gerecht zu werden. Jedes neue Projekt ist eine neue Herausforderung, das gilt für mich bis heute. Wesentlich ist die Haltung: mit den Wünschen der Bauherren, den Kollegen, Mitarbeitenden und Handwerkern gleichermaßen respektvoll umzugehen. Meine besten Projekte sind sowieso meine drei Kinder (lacht).

Gertrud Hansel: Es gibt nicht viele Frauen in Ihrer Branche, die ein so erfolgreiches Architekturbüro aufgebaut haben. Was würden Sie jungen Frauen raten, die eine ähnliche Karriere anstreben?
Margarete Kolb: Man muss bereit sein, viel Zeit zu investieren, um Projekte in guter Qualität voranzubringen. Neugierde war immer mein Antrieb, gleichzeitig war es wichtig, den Mut aufzubringen, sich neuen Aufgaben zu stellen. Hilfreich ist es, sich dabei mit Kollegen zu vernetzen und diese nicht als Konkurrenz zu sehen. Mein Credo: Räume so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen ihrer Nutzer dienen. Das heißt, sowohl auf den Ort, die Nutzung, den wirtschaftlichen Rahmen als auch auf die persönlichen Wünsche unserer Auftraggeber einzugehen. Unabhängig davon, wie groß die Aufgabe ist – vom Möbeldesign bis zum großen Museum. „Wir schneidern Maßanzüge!“

Gertrud Hansel: Welche Strategien haben Sie angewendet, um talentierte Mitarbeiter zu gewinnen und diese langfristig zu binden?
Margarete Kolb: Eine meiner langjährigen Mitarbeiterinnen sagte immer: „Wie gut, dass wir alle etwas anderes können.“ Unser Beruf ist sehr komplex und vielfältig. Ich habe zehn Mitarbeiter aus unterschiedlichen Disziplinen der Architektur (Innenarchitektur, Architektur und Landschaftsarchitektur, ergänzt durch Grafik, Marketing und Verwaltung). Diese sind alle unterschiedlich qualifiziert. Das Spektrum unserer Arbeit geht vom kreativen Entwurf über Konstruktion und Technik bis hin zu Bauleitung, Projekt-, Termin- und Kostensteuerung. Wichtig ist, dass jeder von ihnen sich weiterentwickeln kann und sich in seinem Umfeld wohl fühlt. Wertschätzung und gegenseitige Unterstützung sind das Fundament unseres Teams.

Gertrud Hansel: Aktuell erfolgt die Übergabe an Ihre Kinder. Erwarten Sie große Veränderungen, auch in der Zusammenarbeit mit Ihren Geschäftspartnern?
Margarete Kolb: Ich denke, dass die Zeit Veränderungen bringen wird, nicht nur meine Kinder. Das Arbeitsumfeld verändert sich immer mehr: die Politik, die Mode und die Materialien. Wir arbeiten heute viel nachhaltiger, da zählen Recycling und Upcycling. Ich habe noch mit dem Reißbrett angefangen, heute arbeiten wir mit den unterschiedlichsten Zeichen-, 3D- und Grafikprogrammen. Mit den neuen Medien muss man sich auseinandersetzen und KI wird sicherlich auch noch eine Veränderung mit sich bringen. Meine Kinder
kennen sich mit den Themen in dieser neuen Welt besser aus. Ansonsten sehe ich eine gute und offene Kommunikation als wichtige Grundlage.

Gertrud Hansel: Wie haben Ihre Mitarbeiter, Kunden, Handwerker und Kooperationspartner auf die bevorstehende Übergabe reagiert?
Margarete Kolb: Die Mitarbeiter sind erleichtert, dass es weitergeht. Wir haben alle übernommen und neue Verträge mit ihnen geschlossen. Meine Kinder Matthias und Leonie sind seit über zehn Jahren im Büro Kolb und bestens eingeführt. Meine jüngste Tochter Karlie hat den Bachelor of Arts Architektur erfolgreich abgeschlossen und ist im letzten Jahr zu uns gestoßen. Sie sammelt im Büro nun erstmal Berufserfahrung und arbeitet auf ihre Mitgliedschaft in der Bayerischen Architektenkammer hin, damit sie sich in Zukunft ebenfalls als
Gesellschafterin einbringen kann. Mit den wichtigsten Kunden haben wir zu Jahresbeginn bereits persönlich gesprochen und Matthias als Partner vorgestellt.

Gertrud Hansel: Welche Ratschläge würden Sie jemandem geben, der sich ebenfalls in einer Übergabesituation innerhalb der Familie befindet?
Margarete Kolb: Man sollte auf jeden Fall zeitig damit anfangen. In unserem Fall war es hilfreich, erst alle wirtschaftlichen Formalien zu klären und in Verträge zu fassen. Die juristisch und steuerlich geklärte Situation war dann leichter mit Inhalten und Verantwortlichkeiten zu füllen, da jeder wusste, wo er steht. Die inhaltliche Übergabe ist nun der nächste Prozess, in dem wir uns aktuell noch befinden und Schritt für Schritt gut vorankommen.

Gertrud Hansel: Als Unternehmerin, Mutter und Ehrenamtliche standen Sie immer vor vielen Herausforderungen. Wie haben Sie diese Doppel- oder Dreifachrolle gemeistert?
Margarete Kolb: Selbstständigkeit und Kinder gemeinsam meistern zu können, funktionierte nur, da Arbeit und Wohnen unter einem Dach waren. Kurze Wege waren mir wichtig. Das gab mir die Möglichkeit, immer für die Kinder greifbar zu sein. Ab dem dritten Kind habe ich mir Unterstützung im Haushalt geholt. Zudem hatte ich immer viel Hilfe von Freunden, Familie und den beiden großen Kindern. Die Ehrenämter in der Bayerischen Archi- tektenkammer und im Berufsverband der Innenarchitekten (BDIA) waren für mich
stets eine Horizonterweiterung und her- vorragende Fortbildung, zudem eine gute Erweiterung des Netzwerkes.

Gertrud Hansel: Könnten Sie dem zu- stimmen, dass ein Plan erheblich zum Erfolg beiträgt?
Margarete Kolb: Ich muss ganz ehrlich sagen, meine Karriere ist ein Zufall und aus dem Bedürfnis heraus, unabhängig zu sein und sein zu müssen, entstanden. Mein großer Freiheitsdrang und der Enthusiasmus für Architektur und Gestaltung sind mein Antrieb. Wenn das Glück oder der Zufall vorbeikommen, muss man in der Lage sein, dies zu erkennen und dann auch danach zu greifen. Seit ich jedoch Mitarbeiter habe, geht es nicht mehr ohne Planung. Man braucht einen Überblick über Auftragslage, Kapazität und Finanzen. Ein Finanzplan ist die Grundlage guter unternehmerischer Entscheidungen. Ich habe nie einen Businessplan gehabt, aber immer einen Plan! Sie können mich nachts aufwecken und nach meinem Kontostand fragen, den weiß ich immer.

Gertrud Hansel: Was sind Ihre persönlichen Wünsche und Visionen für die Zukunft Ihrer Firma und Ihrer Nachfolger?
Margarete Kolb: Dass meine Nachfolger und die Mitarbeitenden nach wie vor mutig Herausforderungen annehmen und sie mit Spaß und Freude umsetzen. Ich wünsche ihnen, dass sie gute Entscheidungen treffen, hervorragende Qualität abliefern und mit Überzeugung arbeiten. Außerdem würde es mich freuen, wenn sie die Einzigartigkeit, dass sich in unserem
Büro alle drei Disziplinen der Architektur vereinen, weiterführen, da sie sich ideal ergänzen: Architektur, Innenarchitektur und Landschaftsarchitektur.

Gertrud Hansel: Gibt und gab es ein persönliches Motto, das Ihnen auch in schwierigen Zeiten Kraft gegeben hat?
Margarete Kolb: Ich habe immer daran geglaubt, dass es gut wird, wenn ich mich dafür einsetze.

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