Gemeinsam sind sie stark – erfolgreiche Brüder

Namhafte Unternehmen in der Region werden von Brüdern geführt. Das Top Magazin stellt sie in der neuen Serie dazu vor. Zum Auftakt haben wir Bernhard und Christoph Sieber vom etablierten Juwelier Herbert Mayer getroffen.
Mehr als 20 Jahre stehen sie gemeinsam in der Verantwortung, fast 30 Jahre arbeiten sie eng zusammen. Und sie kennen sich ihr Leben lang – denn sie sind Brüder: Bernhard und Christoph Sieber. Erfolgreich führen sie in der dritten Generation das renommierte und etablierte Augsburger Unternehmen „Uhren Juwelen Mayer“ mit Stammhaus nahe der Pferseer Unterführung und dem weithin bekannten Geschäft in der Annastraße, das erst vor wenigen Jahren modernisiert wurde. Höhen und bisweilen auch kleine Tiefen stehen sie zusammen
durch.
Und tiefgreifende Entscheidungen fällen sie stets gemeinsam, was nicht heißt, dass dabei immer Friede, Freude, Eierkuchen herrscht. Bis eine Lösung gefunden ist, kann es durchaus kontroverse Debatten geben, sagt der Jüngere, Christoph Sieber (53). „Wir haben da eine gesunde Streitkultur entwickelt.“ Bernhard (56) kann dem nur zustimmen und meint: „Wenn jeder das Gleiche denkt und sagt, wäre ja einer zu viel.“ Obwohl der „große“ Bruder als Geschäftsführer des „schmucken“ Untermehmens rein formalrechtlich das letzte Wort habe, genießt Christoph als Prokurist das gleiche Mitspracherecht getreu dem Motto: Gemeinsam sind wir stark. Das hat sich offenbar bewährt – ernsthaftere Konflikte gab es noch nie.
Die Aufgaben sind klar getrennt
Allerdings sind die Aufgaben der Sieber-Brüder im Unternehmen mit 25 fachkundigen Mitarbeitenden, darunter alleine sechs Goldschmiede- und Uhrmachermeister in der firmeneigenen Werkstatt, klar getrennt. Bernhard Sieber ist der, wie Christoph sagt, entscheidungsfreudige Stratege mit Weitblick. Umgekehrt attestiert Bernhard seinem jüngeren, wie er meint, „belesenen und sprachgewandten Bruder“, dass dieser besonders gut mit den Menschen könne. Kein Wunder, dass Christoph, der auch der Juwelen-Experte im Betrieb ist, u.a. den „Verkauf“ managt. Vor allem der Blick auf die Kundschaft und deren Zufriedenheit ist ihm wichtig, weshalb man bei „Juwelier Herbert Mayer“ (benannt nach dem Firmengründer) Wert auf einen „überdurchschnittlichen Vollservice“ legt – sozusagen aus Tradition. Seit mehr als 100 Jahren besteht das 1922 gegründete Unternehmen, das natürlich
als Spezialist für edelste Uhren mit der Zeit geht. In den letzten 20 Jahren unter der Regie der Sieber-Brüder hat dennoch das Schmuck-Geschäft deutlich zugenommen. Und gerade in „unsicheren“ Zeiten wächst das Interesse an wertvollen Stücken. In diesem Segment verweist Christoph Sieber auf das „Luxus-Paradoxon“, will heißen, dass sich bei steigenden Preisen auch die Nachfrage erhöht. Hinzu kommt, dass Augsburgs wohl bekanntester Juwelier stets ganz exklusiven Schmuck bieten kann.
Stolz auf die Rolex-Experten
Das Uhren-Geschäft bildet aber noch immer den Schwerpunkt. Besonders stolz sind die Siebers dabei auf ihre vier Rolex-zertifizierten Uhrmacher, vor allem, wenn man weiß, dass es deutschlandweit (inklusive der direkt bei Rolex beschäftigten Fachkräfte) nicht einmal 200 solcher Experten gibt. Zudem läuft seit mehr als 15 Jahren das von Christoph Sieber initiierte „Oldtimer“-Geschäft. Nein, es geht nicht um alte Autos mit H-Kennzeichen, es geht tatsächlich um „Timer“, also um edle Zeitmesser aus vergangenen Tagen. „Vintage“ oder neudeutsch CPO, also Certified Pre-Owned, sind hier die Schlagworte. Dahinter steckt die Idee, Uhren aus internationalem Vorbesitz, Sondermodelle und Sammlerstücke, „Zeiteisen“ mit limitierter Auflage oder bestimmter Baujahre sozusagen zu revitalisieren und aufzupolieren, damit sie funktionstüchtig und im neuen Glanz die nächste Generation oder neue Besitzer erfreuen – zertifiziert und mit zwei Jahren Garantie, versteht sich. Eng zusammenzuarbeiten und gemeinsam zu entscheiden, ist das eine – wie aber sieht es im Privatleben der Sieber-Brüder aus, die von einer ganz normalen Kindheit („Wir haben uns verstanden, auch mal gerauft und dann wieder zusammengerauft“) berichten? Abgesehen davon, dass man
jetzt nach der Arbeit im Gasthaus um die Ecke ab und an noch ein Bierchen trinkt, hat jeder seine eigene Familie. „Die Privatsphäre wird gewahrt“, obwohl die Brüder mit ihren. Familien nicht allzu weit voneinander entfernt wohnen. „Dennoch steht da nicht plötzlich einer unangemeldet im Schlafanzug vor der Haustür.“
Der eine spielt Golf, der andere ist Jäger Unterschiedlich sind die Hobbys: Bernhard spielt Golf, Christoph, der auch gerne radelt, ist Jäger. Beide beklagen allerdings, dass die Zeit zuletzt bei einer Sechs-Tage-Woche kaum für diese Leidenschaften gereicht hat. Es gibt auch keine gemeinsamen Urlaubsreisen, schon deshalb, weil man darauf achtet, dass zumindest einer der Chefs auch im Geschäft ist. Einzige Ausnahme: Zu bestimmten Geburtstagen laden der Seniorchef Wolfgang Sieber und seine Frau Ursula zu einem Urlaubstreffen
ein, bei dem die ganze Familie dabei ist. Der Familienzusammenhalt funktioniert – privat, wie im Unternehmen.
Neben den Sieber-Brüdern, die übrigens beide BWL studiert haben, sind auch deren Ehefrauen Manuela und Corinna im Unternehmen tätig. Und seit kurzem ist zudem Tochter Selina (aus dem Hause Bernhard und Manuela Sieber) im Team. Die zwei Geschwister von Selina, wie auch die beiden Kinder von Corinna und Christoph Sieber orientieren sich erst einmal
anderweitig im juristischen oder medizinischen Bereich. Die 25-jährige Selina hingegen hat bei Juwelier Mayer vor allem den Online-Handel im Blick, der auch in diesem Traditionshaus nicht fehlen darf. Hier sehen die Brüder einen wichtigen Schritt in die Zukunft.
Die Fuggerstadt liegt ihnen am Herzen
Sie erkennen natürlich den rasanten Strukturwandel im Einzelhandel, auch vor Ort. Vor 20 Jahren, als sie die Geschäftsleitung übernommen haben, „da sah die City noch ganz anders aus.“ Um die Innenstadt, die inzwischen Zugpferde verloren habe, mit Leerständen kämpfe und unter einer Auto-raus-Politik leide, wieder attraktiver zu machen, sei die Stadtregierung gefordert, sagen sie. Augsburgs City müsse neu belebt werden – das gelte auch nachts, etwa in der Maximilianstraße. „Hier muss was los sein,“ betonen die Sieber-Brüder und man merkt, dass ihnen die Entwicklung der Fuggerstadt am Herzen liegt. Einkaufen in der City müsse wieder mehr zum Erlebnis werden – ein Anliegen, zu dem Bernhard und Christoph Sieber wie bisher auch in Zukunft beitragen wollen.
Kleine Firmenchronik – Mehr als 100 Jahre…
… besteht das wertvolle Unternehmen Juwelier Herbert Mayer, wo jetzt bereits die vierte Generation dabei ist. Ein Blick auf die Firmengeschichte:
1922 eröffnete Firmengründer Herbert Mayer sein Geschäft im historischen Stammhaus in der Pferseer Straße und legte so den Grundstein für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte. In den folgenden Jahrzehnten wurden Tradition und Handwerkskunst gepflegt, um zeitlose Zeitmesser und edle Schmuckstücke zu
bieten.
1960 trat Ursula Sieber, die Tochter des Gründers, in zweiter Generation ins Unternehmen ein und prägte es maßgeblich. Zehn Jahre später erfolgte die Eröffnung einer Filiale im Herzen Augsburgs mitten in der Fußgängerzone. Stolz ist man auch auf Ursulas Ehemann Wolfgang Sieber, der als erster zertifizierter Gemmologe, also als Edelstein-Experte, das Unternehmen maßgeblich aufgewertet hat.
1993 trat die dritte Generation ein: Bernhard und Christoph Sieber. Mit ihnen begann eine neue, moderne Ära. Unter anderem erstrahlt seit 2018 die Filiale in der Annastraße nach einem umfassenden Umbau mit preisgekrönter, denkmalgeschützter Fassade in neuem Glanz.
2022 konnte dann das 100-jährige Firmenjubiläum gefeiert werden.
2023 freut man sich über die vierte Generation: Jetzt unterstützt auch Selina Sieber das Unternehmen und Juwelier Herbert Mayer schreitet vollends in die digitale Welt – der Onlineshop geht live.