Einige Unternehmen in der Region werden von Brüdern geführt. Wie arbeiten sie zusammen, wie sind die Aufgaben verteilt und wie fallen Entscheidungen? Solche und ähnliche Fragen beantwortet unsere Business-Serie „Erfolgreiche Brüder“. Nach Bernhard und Christoph Sieber (Juwelier Herbert Mayer), Peter und Armin Spengler (KlimaShop!), den Autohaus-Chefs Tobias und Christian Tierhold sowie Jörg und Frank Löhr (Löhr Akademie) stehen diesmal Ulrich und Martin Huggenberger vom IT-Unternehmen XITASO im Mittelpunkt.
Die Zukunft hat bei XITASO längst begonnen. Das rasant wachsende Augsburger IT-Unternehmen entwickelt spezielle Software-Lösungen vor allem für den Maschinen- und Anlagenbau, für Robotik und Medizintechnik. KI spielt dabei zunehmend eine Rolle und verändert die (Arbeits)-Welt. Denn – ob man will oder nicht – Künstliche Intelligenz gehört bereits in vielen Lebensbereichen zum Alltag. Die Augsburger XITASO GmbH stellt sich mit, wie es heißt, „Erfahrung und Begeisterung“ den neuen Herausforderungen, die die KI auch in der IT-Branche mit sich bringt. Aber keine Angst: Dahinter stehen Menschen – an der Firmen-Spitze sind es zwei erfolgreiche Brüder: Ulrich und Martin Huggenberger.
Dabei gab es bei acht Jahren Altersunterschied – Ulrich ist heute 49, Martin 41 – in der Kindheit noch relativ wenig Anknüpfungspunkte, zumal zwei Schwestern dazwischen eher auf den „kleinen“ Bruder aufgepasst haben, als der älteste Sohn der Familie Huggenberger.
Später allerdings hat das Handballspielen die Brüder enger verbunden – kein Wunder, da der Krumbacher Stadtteil Niederraunau, wo die Buben aufgewachsen sind, seit jeher für diesen Sport bekannt ist. Ulrich, der als Jugendlicher kurzzeitig sogar in Günzburg mit dem Augsburger Nationalspieler Jörg Löhr (siehe zwei Brüder in unserer vorherigen Ausgabe) im Bundeliga-Team trainierte, hat es bis in die dritte Liga geschafft. Martin war in der Landesliga aktiv.
Sport spielt auch heute noch eine Rolle im Leben der Huggenberger-Brüder. Ulrich joggt gerne durch den Wald. Und er segelt, wenn es die Zeit zulässt. Martin spielt Tennis und geht, wie Ulrich, im Winter auch mal zum Skifahren. Oberste Priorität ist in der Freizeit aber die Familie, sagt Martin Huggenberger (und der Bruder nickt zustimmend). Beide Brüder sind verheiratet und haben je zwei Kinder. Ulrich Huggenbergers Tochter ist 21, der Sohn 16. Die Kids von Martin Huggenberger sind 8 und 6, ebenfalls ein Sohn und eine Tochter.
Bayerns Best 50
Längst „in die 1. Liga aufgestiegen“ ist die Firma der beiden Brüder. Schon dreimal wurde XITASO zu „Bayerns Best 50“ gekürt, was nur alle drei Jahre möglich ist. Bayerns Wirtschaftsministerium zeichnet damit wachstumsstarke, mittelständischen Unternehmen für herausragende wirtschaftliche Leistungen aus. Das triff t auf das 2011 von Ulrich Huggenberger gegründete IT-Unternehmen zu. Der Diplom-Informatiker hatte davor bei Kuka als Software-Entwickler und Projektleiter gearbeitet, dann mit einem Maschinenbau-Spezialisten die Codronic GmbH ins Leben gerufen, von der zwei Jahre später Huggenbergers XITASO GmbH bewusst abgetrennt wurde.
XITASO steht übrigens für eXperts in IT And SOftware Solutions. Mit acht Mitarbeitern hat das junge IT-Unternehmen damals vor 15 Jahren begonnen, 2012 waren es schon 12. Und so ging es weiter. Heute sind es rund 250 Beschäftigte und der Jahresumsatz liegt bei 22 Millionen Euro. Firmenchef Ulrich Huggenberger als studierter Informatiker, der vor allem den Vertrieb im Blick hat, benötigte bald einen starken Mann an seiner Seite, der die kaufmännischen Belange und rechtliche Fragen im Griff hat – Anforderungen, denen sein Bruder Martin als Diplom-Kaufmann, der davor fünf Jahre Investment Manager bei der Allianz Globals Investors war, besten entsprach. Mit einem Praktikum stieg Martin Huggenberger 2013 bei XITASO ein. Und er ist geblieben. Seit 2014 ist er als Geschäftsführer mit 50 Prozent der Geschäftsanteile Finanzchef des IT-Unternehmens.
Darüber reden, wohin der Weg führt
Zwei Brüder in der Chefetage, das hat sich seither bei XITASO bewährt, zumal die Aufgaben klar getrennt sind. Aber auch, weil sich Ulrich und Martin Huggenberger perfekt ergänzen. Martin beschreibt seinen älteren Bruder als „Visionär, der den Blick immer nach vorne richtet, und als Zugpferd, der Ziele schnell umsetzen will.“ Und als einen, „der mit technischem Sachverstand und wirtschaftlicher Kompetenz agiert, dabei aber auch mal risikobereit ist.“ Ulrich schätzt hingegen den jüngeren Bruder als „brillanten Analysten“, der die Details hinterfragt und herausfinden will, was geht und was nicht. Dennoch werden auch, wie Ulrich sagt, „verrückte Ideen“ nicht gleich abgetan. Und dass es immer wieder kontroverse Diskussionen zu Einzelthemen gibt, die auch im erweiterten Führungskreis besprochen werden, gehöre gerade bei der dynamischen Branchenentwicklung dazu. Darüber zu reden, wohin der Weg führt, sei nahezu an der Tagesordnung.
Einig sind sich die Brüder, dass das Unternehmen weiterhin Wachstum verträgt und benötigt. Nur so könne man in der hochinnovativen IT-Branche bestehen. Immer wieder seien neue Leute, neue Fähigkeiten gefragt, was man nicht nur durch Qualifikationen und Schulungen ausgleichen kann. Auch Knowhow von außen sei für die Firma gut, ebenso eine seit Jahren forcierte, offene Unternehmenskultur, um das bewährte Personal zu halten und ihm weitere Chancen zu bieten. Denn, auch da stimmen Ulrich und Martin Huggenberger ohne Wenn und Aber überein, „die Mitarbeitenden sind das größte Kapital.“
Im Durchschnitt sind die XITASO-Beschäftigten 35 Jahre jung. Sie können im festgelegten Rahmen möglichst frei arbeiten, gemäß den Vorgaben viele Entscheidungen selbst treffen, sich die Arbeitszeit einteilen und den Arbeitsplatz (Büro oder Homeoffice) frei wählen. Um noch mehr Flexibilität zu ermöglichen, wünschten sich die Huggenbergers weitere Lockerungen beim Arbeitszeitgesetz. Übrigens: Vor allem, um geeignete Mitarbeitende zu finden und zu halten, hat XITASO die Zahl der Standort auf inzwischen 13 gesteigert. Neben dem Schwerpunkt in Bayern gibt es Niederlassungen in Münster, Karlsruhe, Leipzig und Berlin wie auch in Spanien, nämlich in Madrid, Malaga und Barcelona.
KI als Chance für die deutsche Wirtschaft
Über Stadt- und Landesgrenzen hinweg arbeiten die Teams zusammen – und natürlich mit der eingangs erwähnten KI. So lassen sich Effizienz und Produktivität immens steigern und man spart Zeit. Die XITASO-Chefs werten dies nicht nur als essenziell für das Vorankommen des Unternehmens, sie sehen darin zugleich eine Mega-Chance für die gesamte deutsche Wirtschaft. Gerade die IT-Branche könne dazu beitragen, dass es hierzulande wieder aufwärts geht. Ulrich und Martin Huggenberger wollen eine solche Entwicklung fördern, weshalb sie sich auch in etlichen regionalen und überregionalen Verbänden engagieren, teils in der Führung wie im Netzwerkverein des DZS (Digitales Zentrum Schwaben), wo Martin Huggenberger im Vorstand sitzt, oder bei der IHK, wo Ulrich Huggenberger der Regionalversammlung angehört.
Bei XITASO hat die Zukunft längst begonnen
Apropos Förderung: Neben der Unterstützung sozialer Einrichtungen haben die Huggenberger-Brüder vor allem Bildungsprojekte im Blick. XITASO unterstützt beispielsweise regelmäßig den Regional-Entwirtschaft scheid von „Jugend forscht“ oder auch eine schulische Robotik-Gruppe. Stolz ist man aktuell auf die Entwicklung des KI-Chatbots „telli“ für das Medieninstitut der Länder (FWU). Es hat begonnen, „telli“ nach und nach in den Schulen möglichst vieler Bundesländern einzusetzen. Auch Bayern ist dabei. Ein Ziel ist es, dass Schülerinnen und Schülern ein sinnvoller Umgang mit der KI nähergebracht wird – auch indem bestimmt Quellen im Netz ausgeschlossen werden. Und den Lehrkräften hilft der Chat u.a. bei der Unterrichts-Vorbereitung. Junge Leute haben Ulrich und Martin Huggenberger nicht zuletzt im Blick, indem sie derzeit sieben Doktorandinnen und Doktoranden fördern. Und zwar in der firmeneigenen Forschungsabteilung mit rund 20 Beschäftigten, die sich intensiv mit Spitzentechnologien, also etwa (neben KI) mit autonomen und anpassungsfähigen Systemen oder auch mit Cybersicherheit beschäftigen. Nur so könne man herausfordernde Zeiten meistern, lautet ein Credo der Huggenberger-Brüder.
Es unterstreicht einmal mehr: Bei XITASO hat die Zukunft längst begonnen.