Genussradtour: Sieben Kapellen, sieben Wege
Wer das Dillinger Land einmal mit allen Sinnen erleben möchte, sollte sich aufs Rad schwingen und die Genussradtour zu den Sieben Kapellen wagen. Hier, wo sich sanfte Hügel, urige Wälder und verträumte Dörfer aneinanderreihen, laden sieben architektonische Meisterwerke zum Innehalten und Krafttanken ein. Gestiftet von der Wertinger Denzel-Stiftung, setzen die Kapellen moderne Wegmarken und bieten einen Ort der Stille – ganz egal, welcher Religion oder Weltanschauung man angehört.
Die Tour führt vom Kesseltal bis ins Laugnatal, vorbei an kunstvoll gestalteten Kapellen, die jede für sich eine eigene Geschichte erzählt. Wer also Lust auf eine meditative Auszeit in der Heimat hat, wird auf dieser Mehrtages-Tour mit einzigartigen Natur- und Kulturerlebnissen belohnt. Und das Beste: Die Mühe lohnt sich, denn oben auf dem Kapellenberg wartet nicht nur ein beeindruckender Ausblick, sondern auch die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen.
1 Radwegkapelle bei Gundelfingen – Hans Engel
Die Genussradtour beginnt mit einem kräftigen Tritt in die Pedale – und schon nach den ersten Kilometern öffnet sich das Dillinger Land in seiner ganzen Vielfalt. Die erste Station, die Radwegkapelle bei Gundelfingen von Hans Engel, liegt idyllisch an einem kleinen Weiher, eingerahmt von Feldern und Baumgruppen. Das Foto zeigt die Kapelle wie einen kleinen römischen Tempel, dessen kreuzförmiger Grundriss und zwölf gedrechselte Rundsäulen aus Lärchenholz einen offenen Raum schaffen. Die Glaswände, grafisch gestaltet mit Blattmotiven, spiegeln die umgebende Natur wider und laden zum Verweilen ein. Hier, wo das Licht durch die Farbglasscheibe fällt und Sentenzen aus Religion und Weisheit auf den Glaswänden zu lesen sind, entsteht ein Besinnungsraum, der die Verbindung von Architektur und Natur intensiv erlebbar macht.

2 Blaue Kapelle Emersacker -Wilhelm Huber
Weiter geht es ins Laugnatal, wo die Blaue Kapelle Emersacker von Wilhelm Huber auf einer kleinen Waldlichtung thront. Das Foto fängt den zwölf Meter hohen Turmbau ein, der wie ein mächtiger Baumstumpf aus dem Fugger’schen Wald herausragt. Im Inneren taucht das Oberlicht aus mundgeblasenem, blauem Glas den Raum in magisches Licht – ein Ort der Stille, der zum Meditieren einlädt. Draußen, auf einem Block gegenüber dem Eingang, kann man rasten und den Blick über das Laugnatal schweifen lassen. Die Kapelle ist eine weithin sichtbare Landmarke, die mit ihrer zeichenhaften Architektur und dem blauen Licht als Verbindung zum Himmel beeindruckt.
3 Wooden Chapel Unterliezheim – John Pawson
Die Tour führt weiter zur Wooden Chapel Unterliezheim von John Pawson, die auf einer Anhöhe mit Blick auf das Dorf und die hügelige Landschaft steht. Das Foto zeigt die imposanten Douglasienstämme, die wie gestapeltes Holz aufeinanderliegen und die Kapelle formen. Hier werden alle Sinne an- gesprochen: Man riecht das Holz, fühlt die Struktur, hört die gedämpften Geräusche des Waldes. Das Oberlicht wird durch die Äste gefiltert, das Fensterlicht wandelt sich im Tagesverlauf. Pawsons Kunst des Weg- lassens zeigt sich in der minimalistischen Ausstattung – Tür, Bank, Fenster, Kreuz – und schafft einen Resonanzraum für das Sakrale, der mit dem Wald symbiotisch verbunden bleibt.

4 Wegkapelle zwischen Oberbechingen und Wittislingen – Frank Lattke
An einer Weggabelung zwischen Oberbechingen und Wittislingen steht die Wegkapelle von Frank Lattke markant in freier Landschaft. Das Foto fängt die Kapelle ein, wie sie mit ihren unterschiedlich gestalteten Fassaden und dem hohen, diagonal verlaufenden Dachfirst fast in Bewegung zu sein scheint. Durch das Stabwerk der nach innen verschwenkten Wand kann man den Innenraum erahnen, das Licht modelliert den Raum und lenkt den Blick auf das Kreuz. Die filigranen Eckpfosten erinnern an Kreuzrippengewölbe, das sanfte Seitenlicht fällt auf das Weihwasserbecken und den Kerzenständer. Die unbehandelte Brettschalung und der Hirnholzboden aus heimischer Fichte geben dem Raum eine natürliche Wärme, während Licht und Schatten Konzentration ermöglichen und die Landschaft durch Lichtschlitze aus- schnitthaft zeigen.

5 Wegkapelle bei den Schwaigen – Alen Jasarevic
Die nächste Station ist die Wegkapelle bei den Schwaigen von Alen Jasarevic, deren Foto die Form gefalteter Hände zum Gebet symbolisiert. An einem Waldweg zur Bartelstockschwaige, hinterfangen von Donauauwäldern, erhebt sich die Kapelle mit ihrem ansteigenden Zeltdach. Die lebendige Kerbstruktur der Innenwände, von Josef Zankl mit einem Hohleisen bearbeitet, scheint sich im Licht zu bewegen und öffnet eine unendliche Tiefenstruktur. Die Oberfläche lädt zum Innehalten ein und lenkt den Blick zum Kreuz im Licht – ein Ort, der Dynamik und Ruhe zugleich aus- strahlt.
6 Kapelle Kesselostheim – Volker Staab
Oberhalb von Kesselostheim, an einer Hangkante, steht die Kapelle von Volker Staab. Das Foto zeigt den hölzernen Turm, der zwischen zwei alten Linden errichtet wurde und einen weiten Blick in die hügelige Landschaft eröffnet. Ein 35 Meter langer Steg mit Sitzbank führt zum Kapellenturm, der quadratische Grundfläche und kreuzförmig angeordnete Schichtholzbauteile tragen die Lamellen, an der Spitze durch ein Kreuz verbunden. In der Kapelle richtet sich der Blick über das Kreuz in den offenen Himmel, die Anlage mit Via Sacra, Kreuzkapelle und kleinem Platz fügt sich harmonisch in die Umgebung ein und lädt zum Schauen und Rasten ein.

7 Kapelle bei Oberthürheim – Christoph Mäckler
Die letzte Station, die Kapelle bei Oberthürheim von Christoph Mäckler, wurde an der Kreuzung der Bettelstraße und der Wegverbindung von Oberthürheim nach Blindheim errichtet. Das Foto zeigt die zwölf Meter hoch aufragende Kapelle, hinterfangen von alten Kastanien, die im flachen Donautal weithin sichtbar ist. Die Blockbauweise, bei der Tragwerk und Hülle eine Einheit bilden, erinnert an ursprüngliches Bauen. Das steile Dach lässt an gotische Kirchen denken, im Innern belichten 172 blaue Farbgläser und ein gold-gelbes Kreuz den Raum. Das Chorgestühl lädt zur Rast und Besinnung ein, während draußen die Landschaft und Architektur verschmelzen.
Mit dem Rad von Kapelle zu Kapelle
Jede Kapelle ist ein Unikat, geschaffen von einem anderen Architekten, und erzählt ihre eigene Geschichte. Die Fotos der Stationen fangen die besondere Atmosphäre ein und machen Lust darauf, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen – mit dem Rad, durch das Dillinger Land, von Kapelle zu Kapelle. Wer die Sieben Kapellen auf dem Rad entdecken möchte, kann sich auf eine abwechslungsreiche Strecke freuen: Der ausgeschilderte 7-Kapellen-Radrundweg verbindet die architektonischen Highlights auf 153 Kilometern durch das Dillinger und angrenzende Augsburger Land. Mit 980 Metern Anstieg und 963 Metern Abfahrt ist die Tour leicht bis anspruchsvoll – ideal für Genussradler, die gerne auch mal ins Schwitzen kommen. Die Route verläuft größtenteils auf verkehrsarmen Abschnitten und bietet immer wieder neue Ausblicke auf die Landschaft, Dörfer und Burgen. Wer sich Zeit für die Kapellen nehmen möchte, plant am besten eine oder zwei Übernachtungen ein: In den Hotels und Gasthöfen entlang der Strecke werden Radler herzlich willkommen geheißen und kulinarisch verwöhnt. Die Bahnanreise ist unkompliziert – die Donautalbahn Ingolstadt–Ulm hält in Gundelfingen und Schwenningen.
Am Ende der Tour bleibt vor allem eines: das Gefühl, wirklich angekommen zu sein – bei sich selbst und in der Heimat. Die Sieben Kapellen sind mehr als nur architektonische Kunstwerke; sie sind Orte, an denen man durchatmen, innehalten und neue Kraft schöpfen kann. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wird mit einzigartigen Eindrücken belohnt – und viel- leicht mit einer ganz neuen Sicht auf das Dillinger Land. Also: Helm auf, Kamera einpacken und losradeln! Die Kapellen warten darauf, entdeckt zu werden. Wer weiß, vielleicht trifft man unterwegs sogar Gleichgesinnte, die ebenfalls auf der Suche nach Ruhe und Inspiration sind. Die Genussradtour zu den Sieben Kapellen – ein Erlebnis, das bleibt.


