Gastrocheck – Kleine Küche 5
Kann Imbiss auch gehobene Kulinarik? Leider nur sehr selten, offensichtlich gilt der schnellen Befriedigung des Appetits kein Augenmerk, es wird kaum versucht sich von dem üblichen Döner-Pizza-Leberkässemmel Diktat zu lösen. Die Frage ist natürlich die Henne-Ei Problematik, gibt es nichts anderes, weil die Nachfrage nicht da ist, oder ist die Nachfrage nicht da, da es sowieso nichts anderes gibt. Vermeintlich eine festgefahrene Situation, aber es gibt Gott sei Dank Ausnahmen. Eine davon ist für uns definitiv die Kleine Küche 15, angesiedelt in der Fleischhalle des Augsburger Stadtmarkts. Betrieben von Helmut Hengelmann, der in Augsburg ja kein unbeschriebenes Blatt ist.
Gut zwei Jahre bietet er jetzt zusammen mit seinem Kompagnon grundehrliche Küche, die so an dieser Location nicht unbedingt zu erwarten ist. Um das Konzept besser zu verstehen, sollte man Hengelmanns kulinarische Vita betrachten. Angefangen hat alles vor gut drei Dekaden mit dem Drei Königen in Augsburgs Altstadt. Schon hier kamen Gerichte auf den Teller, die ihren Ursprung nicht leugneten. Kein Firlefanz, Produkte aus der Region, grundsolide gekocht, jedoch immer mit dem gewissen Extra. Hier wurde der Besucher aus der WG um die Ecke genauso glücklich, wie der anspruchsvolle Esser, für den es nicht immer Kalbsbries und Hummer sein musste. Hier wurde der Lachs durch den heimischen Saibling ersetzt und das Rinderfilet durch den Schmorbraten. Großer Wert wurde schon immer auf die Salate und Gemüsebeilagen gelegt, das hausgemachte Dressing ist bis heute legendär und findet seinen Einsatz nach wie vor in der Kleinen Küche 15, deren Name, nicht überraschend, auf der Standnummer der Halle beruht. Weitere Stationen Hengelmanns waren das Restaurant-Café Eickmanns beim Theater, immer noch eines der schönsten und innovativsten Gastro-Projekte der letzten Jahrzehnte in der Fuggermetropole, und die letzten Jahre das Kappeneck. Und jetzt eben dieses „Imbiss-Konzept“. Konsequent wird das Prinzip der hochwertigen und regionalen Produkte – fast ausschließlich von Bio-Produzenten, umgesetzt – mit den Kollegen des Stadtmarkts arbeitet man natürlich bevorzugt zusammen. Es gibt täglich wechselnde Gericht, mit einigen Klassikern, die nicht fehlen dürfen, wie zum Beispiel das Schokomousse zum Desert. Ansonsten gibt es immer vegetarische Varianten, meist eine oder zwei Suppen, ebenso wie diverse Fleisch- und Fischgerichte, alles auch immer zum Mitnehmen in nachhaltigen Mehrweg-Behältern. Zu Trinken gibt es Säfte und Schorlen, Bier der Bio-Brauerei Lammsbräu, sowie sogar eine kleine, aber feine Variation an Bio-Weinen glasweise. Dass alle Gerichte tagesaktuell gekocht werden, versteht sich von selbst.
Wir versuchten Kaspressknödel mit brauner Butter, Spinat-Ricotta-Knödel oder Krautkrapfen, alles frisch produziert, beste Grundzutaten, grundsolide gekocht. Piccata vom Zander vom Stadtfischer Schindler, Wiener Backhuhn vom Bio-Bauernhof, einen sehr schmackhaften Schweinebraten vom Hällisch-Schwäbischen Landschwein mit einem perfekten „Safterl“, keine Sperenzchen, einfach so, wie man sich das wünscht. Die Salate frisch und knackig, für den schnellen Hunger gibt es auch immer wieder kesselfrische Weißwürste mit Breze und hausgemachtem Senf. Das Geschnetzelte von der Kalbshaxe, am Knochen geschmort, für uns ein Highlight, war butterzart und schmackig, mit einer Sauce, der man anmerkte, dass hier über Stunden nur Feinstes eingeköchelt wurde, keine Eindicker oder Geschmacksverstärker. Dazu ein knackig bissfester Salat von der Rote-Ringel-Beete, der dem Gericht Frische und Haptik verlieh und einem Semmelknödel wie von Oma. Ein richtiger Soulfood-Teller.
Das Ambiente der Fleischhalle ist nicht gerade heimelig, der vor Jahren erfolgte Umbau leider nur halbherzig umgesetzt und durch Dekorationssünden (siehe das pseudorustikale Billig-Holzregal im Eck, inklusive Trockengesteck!) nicht schöner geworden. Vor der Kleinen Küche 15 versucht man wenigstens mit täglich frischen Blümchen in kleinen Vasen etwas optische Wohlfühl-Atmosphäre zu erschaffen. Nichts gegen den Erhalt der Fleischhallen-Architektur mit seinem klaren Industrie-Charakter, dann aber bitte konsequent durchgezogen. Zurück zur kulinarischen Platzierung der Kleinen Küche 15, die nicht nur auf dem Stadtmarkt eine besondere Rolle verkörpert. Wir würden uns deutlich mehr solcher bodenständigen Anlaufstellen in der Stadt wünschen, wo gegen den Trend (und auch sicher gegen jede Gewinnmaximierung) agiert wird. Gerade auch als Mittagsangebot, da viele Restaurants sich einen Mittagstisch auf Grund der schwierigen Lage nicht mehr leisten (wollen).
Witzigerweise wurde die Kleine Küche 15 vom Slow-Food-Führer Deutschland ausgezeichnet, allerdings hatte man bis dato keine Kategorie „Imbiss“. Deshalb wird sie dort unter der Rubrik Gasthäuser geführt wird. Danke an Björn Kühnel für diesen Beitrag.
KLEINE KÜCHE 15
Fuggerstraße 12a
Stadtmarkt/Fleischhalle
86150 Augsburg

