SCHWARZ & FUNK – Ibiza Feeling aus Augsburg

SCHWARZ & FUNK – Ibiza Feeling aus Augsburg

25 Jahre Chillout

Die Musik von Schwarz & Funk wird millionenfach auf Spotify weltweit gestreamt. Und doch entsteht sie in und um Augsburg. Das Produzententrio rund um Martin Czihal sowie Alexander und Dominik Hitzler zeigt, wie man mit Beharrlichkeit, handwerklichem Können und purer Leidenschaft an die Spitze kommt.

Ich wollte immer schon beim Club der Millionäre dabei sein – und es ist schön, dass wir das geschafft haben. Wir haben sicherlich schon elfmal die Millionengrenze überschritten“, sagt Martin Czihal. Gemeint ist allerdings nicht sein Kontostand, sondern die Streams einiger seiner Musiktitel. Gemeinsam mit den Brüdern Alexander und Dominik Hitzler produziert er seit 25 Jahren Chill-House-Musik, die so entspannt klingt wie ein Sonnenuntergang am Meer. Entstanden ist das Projekt aus einer Freundschaft aus Radiotagen und der festen Überzeugung, dass man Träume nicht aufgibt – selbst wenn man mit dieser „brotlosen Kunst“ nicht reich wird. Kennengelernt haben sich Martin Czihal und Alexander Hitzler bei Radio Skyline auf der Welle 93.4. „Er war zuständig für Werbung, Studiotechnik und Jingles – ich hatte meine Samstag-Nacht-Show“, erinnert sich Czihal. Man traf sich zwischen Schallplattenbemusterungen und Konzertinterviews, schnitt Beiträge zusammen, bastelte an Senderkennungen. „Das war eine Spielwiese. Wir hatten Spaß.“ Dann ging Czihal nach Ibiza. „Ich war dort ein, zwei Jahre als DJ tätig und habe schnell gemerkt, dass wenn du international bestehen willst, du selbst produzieren musst.“

Von Ibiza in den Keller
Zurück in der Heimat sprach er seinen ehemaligen Kollegen an. „Ich war frisch Vater geworden und wickelte gerade meinen Sohn. Da steht plötzlich Martin vor der Tür und sagt: Wir müssen jetzt Musik produzieren. Du bist der Einzige, den ich kenne, der das kann“, erinnert sich Alexander Hitzler. Schnell legten sie los. Das erste Tonstudio befand sich im elterlichen Keller. Auf einem Atari-Computer und mit einigen wenigen Tools probierten sie sich aus. „Wir mussten uns alles selbst beibringen. Es gab keine Kurse, kein YouTube – Learning by Doing“, erklärt Hitzler. Der Anfang war hart. Czihal vergleicht den Weg mit dem Tennissport: „Du fängst an und musst sofort gegen die Weltspitze spielen. Es gibt nichts dazwischen. Wenn du verkaufen willst, musst du Chart-Niveau haben.“ Vier oder fünf Jahre dauerte es, bis der erste Track lizenziert wurde. 100 oder 200 D-Mark gab es dafür – alles Geld floss direkt zurück in neues Equipment. „Wir haben damals richtig reingebuttert.“ Später produzierten sie in zwei Studios – in einem Einfamilienhaus und in einer alten Waschküche, die mit Holz beheizt wurde. „Wir hatten identische Rechner, identische Programme. Wenn einer mit einem Titel angefangen hat, konnte der andere nahtlos weiterarbeiten“, erklärt Alexander Hitzler. Der große Wendepunkt kam, als ihr Titel „Remando Al Viento“ auf einer Compilation des legendären Café del Mar veröffentlicht wurde. „Das war der Ritterschlag, der Grammy“, sagen sie rückblickend. Die berühmte Strandbar auf Ibiza ist weltweit bekannt für ihre legendären Sonnenuntergangs-Sessions. Ab 1994 veröffentlichte das Café del Mar eigene CDs, die zu Bestsellern wurden.

Der Durchbruch mit Café del Mar
Der Weg von Schwarz & Funk auf die Compilation war schwierig – und nur dank großer Beharrlichkeit erfolgreich. Die Musiker, die mittlerweile unter dem Namen Schwarz & Funk – benannt nach den Mädchennamen ihrer Mütter – produzierten, blieben hartnäckig: Jahrelang hatte Martin Czihal Demos im Café del Mar vorbeigebracht oder an die Mutterfirma nach Spanien gesendet – inklusive Gummibärchen. „Ich habe ihnen jeden Monat einen neuen Song geschickt. Irgendwann sagten sie, dass ihnen unser Titel gefiel und sie ihn veröffentlichen möchten.“ Von da an änderte sich alles: „Wir mussten nicht mehr betteln, um auf einer CD gelistet zu sein. Man fragte bei uns an.“ Czihal erinnert sich gerne daran, wie er in Plattenläden auf Ibiza durch die Regale ging und überall CDs entdeckte, auf denen ihre Titel vertreten waren oder wie er die eigene Musik im Radio hörte.

Neue Player, neue Spielregeln
Inzwischen ist die Zeit der Sampler vorbei, das Geschäft hat sich grundlegend gewandelt. Heute zählen Streams auf Spotify, Follower auf YouTube – und vor allem Eigenvermarktung in den sozialen Medien. Mittlerweile ist Dominik Hitzler eingestiegen und kümmert sich um genau dieses Business. „Früher waren es 90 Prozent Musik und zehn Prozent Vermarktung. Heute ist es umgekehrt“, sagt er. Schwarz & Funk sind heute Künstler, Verlag und Produktionsfirma in einem. Auch die Akteure im Musikbusiness haben sich verändert: Mithilfe von Software und KI produzieren immer mehr Menschen Musik – auch ohne klassischen Background. Genau hier sehen die drei ihren Vorteil: Sie spielen ihre Instrumente selbst ein – Gitarren, Bass, Saxofon. Das macht einen klaren Unterschied – den Unterschied zwischen gewollt und gekonnt.

Millionenstreams aus Augsburg
Heute gehört Schwarz & Funk zu den bekannten Produzenten im Chillout-Genre: Rund eine Million monatliche Hörer verzeichnen sie weltweit auf Spotify, auf YouTube folgen ihnen 50.000 Menschen. Besonders erfolgreich mit Millionen Streams ist ihre Musik zudem auf Pandora, dem amerikanischen Spotify-Pendant. Firmen wie Lufthansa nutzen ihre Songs. Sogar das Kino hat angeklopft: Eine russische Produktion lizenzierte einen Track für eine Szene im Film „Loveless“. Der lief in Cannes und war für einen Auslands-Oscar nominiert. Ihre Hörerschaft ist „35 plus“ – Menschen, die die goldene Ära des Balearen-Sounds kennen. „Wir machen Musik für die, die das Ibiza der 90er lieben“, sagen sie. Analysen zeigen: Besonders häufig wird ihre Musik in Küstenregionen, wie Kalifornien oder Florida gehört. Emotional wird es für die drei, wenn Fans schreiben. „Ein Paar wollte einen unserer Songs als Hochzeitstanz.“ Oder sie erfuhren von einem Witwer, dass seine Frau ihre Musik bis zuletzt hören wollte. „Da merkst du, was Musik auslöst“, sagen sie. Das Trio genießt den Erfolg. Heute werden sie nicht mehr belächelt, sondern anerkennend wahrgenommen. „Für mich ist es die größte Genugtuung, weil jetzt keiner mehr sagt: Such dir einen richtigen Job“, sagt Czihal. Das sei die harte Arbeit über 25 Jahre wert gewesen – auch wenn es Momente gab, in denen sie ans Aufgeben dachten. Warum sie dennoch weitermachten? „Weil wir irgendwann gemerkt haben, dass wir näher an der Spitze sind, als wir dachten“, überlegt Czihal. Alexander Hitzler ergänzt: „Und weil wir uns gegenseitig hatten.“ Dominik Hitzler nickt: „Und weil Musik mehr ist als Geld. Aber ganz ehrlich – ein bisschen Schulterklopfen tut dann schon mal gut.“