Frau im Chefsessel: Ariane Grandel führt mit Mut und Herz

Frau im Chefsessel: Ariane Grandel führt mit Mut und Herz
Ariane Grandel im Interview , Foto von Stefan Winterstetter

In dieser Reihe stellt Trainerin und Coach Gertrud Hirsch (Inhaberin der Schule für Unternehmer) Frauen vor, die ein Unternehmen führen und damit sehr erfolgreich sind. Diesmal spricht sie mit Ariane Grandel (39), der geschäftsführenden Gesellschafterin von GRANDEL – The Beautyness Company. Von heute auf morgen musste sie in die Rolle der Geschäftsführerin wechseln und führt seitdem das traditionsreiche Unternehmen mit knapp 200 Mitarbeitenden gemeinsam mit ihrem Cousin Dr. Gabriel Duttler. Und das sehr erfolgreich: Vor über einem Jahr wurde sie von der Stadt Augsburg mit dem Augusta-Preis ausgezeichnet. Zudem ist sie Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung Augsburg Stadt, seit März aktiv mit einer Schulpartnerschaft für die Realschule St. Ursula und sie ist im Stiftungskuratorium des Staatstheaters. Und vor über einem Jahr ist sie Mutter geworden. Wie sie es schaff t, all das unter einen Hut zu bringen und welcher Weg für sie der richtige ist, erzählt sie unter anderem im Interview.

Gertrud Hirsch: Zusammen mit Ihrem Cousin haben Sie die Nachfolge Ihres Vaters angetreten, der 2019 unerwartet verstorben ist, und leiten damit das Unternehmen in dritter Generation. Eine herausfordernde und sicher auch schöne Aufgabe. Worin lagen für Sie die größten Herausforderungen und was hat Ihnen geholfen, sie zu meistern?

Ariane Grandel: Eine besondere Herausforderung war es für mich, sehr plötzlich einen eigenen Weg zu finden. Wir sind ein Familienunternehmen mit einer starken Historie, gleichzeitig aber auch eine sehr moderne Marke. Ich durfte lernen, mir selbst zu erlauben, Dinge anders zu machen – im Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft. Geholfen hat mir dabei vor allem der regelmäßige Austausch mit meinem Cousin, ein starkes Team an meiner Seite und die tiefe Überzeugung, dass Unternehmen sich dann gesund weiterentwickeln, wenn jede Generation mutig genug ist, eigene Akzente zu setzen. Unser Familienunternehmen als Doppelspitze führen zu können, ist für uns beide eine enorme Bereicherung und gleichzeitig eine Entlastung.

Gertrud Hirsch: Eine Unternehmensübergabe innerhalb der Familie ist ein Balanceakt zwischen Tradition, Erwartungen und dem eigenen Weg. Welche Erfahrungen möchten Sie Frauen mitgeben, die gerade selbst in dieser sensiblen Phase stehen?

Ariane Grandel: Ich würde jeder Frau raten, ihren Platz bewusst einzunehmen. In Familienunternehmen korrelieren oft Emotionen, Erwartungen und unterschiedliche Vorstellungen miteinander. Entscheidend ist, dass man sich früh genug klar darüber wird, wofür man selbst stehen möchte und welche Rolle man tatsächlich übernehmen will. Verbündete sind wichtig: Menschen, die ehrliches Feedback geben und auch da sind, wenn Zweifel aufkommen. Eine Nachfolge ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon.

Gertrud Hirsch: GRANDEL ist immer schon für langjährige Mitarbeiter bekannt. Welche Prinzipien oder Grundwerte tragen dazu bei, dass Ihre Mitarbeitenden motiviert, loyal und leistungsbereit bleiben? Gibt es ein „Geheimnis“?

Ariane Grandel: Das „Geheimnis“ gibt es nicht – aber es gibt Werte, die uns seit Jahrzehnten tragen: Verlässlichkeit, Respekt und echtes Interesse an den Menschen. Wir begegnen uns auf Augenhöhe. Viele sind seit Jahrzehnten bei uns, weil sie wissen: Ihre Arbeit hat Bedeutung, ihre Meinung zählt und wir investieren kontinuierlich in ihre Entwicklung. Dass wir ein Familienunternehmen sind, spürt man. Das schafft Vertrauen.
Gertrud Hirsch: Bei Ihnen arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen in Entscheidungspositionen und gleichzeitig gibt es eine bemerkenswerte Vielfalt an Arbeitszeitmodellen. Was braucht es, damit solche Strukturen nicht nur entstehen, sondern über Jahre hinweg tragfähig bleiben?
Ariane Grandel: Strukturen wie diese entstehen nicht von heute auf morgen. Man braucht dafür eine Unternehmenskultur, die Flexibilität nicht als Ausnahme, sondern als Selbstverständlichkeit lebt. Ich finde, Leistung zeigt sich nicht allein durch Präsenz, sondern durch Qualität, Haltung und Übernahme von Verantwortung. Damit diese Modelle langfristig funktionieren, braucht es Transparenz, klare Kommunikation und eine Führung, die bereit ist, zuzuhören. So kann man gemeinsam Lösungen finden, die für beide Seiten passen.
Gertrud Hirsch: Mit der Geburt Ihrer Tochter hat sich Ihr Alltag sicher emotional wie organisatorisch verändert. Eine neue Situation, in der sich auch viele selbstständige Frauen wiederfinden. Wie schaffen Sie es, in dieser neuen Lebensphase Ihrer Familie sowie dem Unternehmen gerecht zu werden? Haben Sie Tipps für ein gutes Gelingen?
Ariane Grandel: Die Geburt meiner Tochter vor einem Jahr war ein wunderbarer Meilenstein, der meinen Alltag auf den Kopf gestellt hat. Sie hat mich gelehrt, Prioritäten noch bewusster zu setzen und auch einmal „Nein“ zu sagen. Man muss nicht alles gleichzeitig und schon gar nicht alles perfekt machen. Und sollte sich erlauben, auch mal unperfekte Phasen zu akzeptieren. Es gibt Zeiten, in denen die Familie an erster Stelle steht, und Zeiten, in denen das Unternehmen mehr Aufmerksamkeit braucht. Mein wichtigster Tipp: Hilfe annehmen – beruflich wie privat.

Gertrud Hirsch: Als Inhaberin der Schule für Unternehmer interessiert mich Ihre Erfahrung als Unternehmerin: Was sollten Frauen besonders im Blick behalten, wenn sie sich weiterbilden möchten, um ihre Führungsrolle mit Klarheit und Selbstvertrauen auszufüllen?

Ariane Grandel: Weiterbildung sollte immer an der eigenen Persönlichkeit anknüpfen. Frauen rate ich besonders, an ihrem Selbstvertrauen zu arbeiten – häufig ist nicht Kompetenz das Problem, sondern der eigene Anspruch an Perfektion. Dafür finde ich Formate hilfreich, die Raum für Austausch bieten: Netzwerke, Mentoringprogramme oder Workshops, in denen man Erfahrungen teilt und voneinander lernt. Klarheit entsteht durch Reflexion – und Mut durch Vorbilder.

Gertrud Hirsch: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Unternehmens – für die Menschen darin, für die Kultur, für die Wirkung nach außen?

Ariane Grandel: Ich wünsche mir, dass unser Unternehmen weiterhin ein Ort bleibt, an dem Menschen gerne arbeiten, weil sie sich wertgeschätzt und gesehen fühlen. Kulturell wünsche ich mir, dass wir mutig bleiben, uns weiterentwickeln und gleichzeitig unsere Wurzeln bewahren. Und weiterhin als das wahrgenommen werden, was wir sind: ein Unternehmen mit Herz, Qualität und echter Verantwortung.

Gertrud Hirsch: Unternehmerin sein ist nicht immer leicht. Haben Sie ein Motto, das Ihnen Kraft gibt?
Ariane Grandel: Ja, ein Satz begleitet mich schon lange: „Wachstum entsteht dort, wo wir bereit sind, uns zu verändern.“ Er erinnert mich daran, offen zu bleiben – und Herausforderungen als Chance zu begreifen.
Gertrud Hirsch: Haben Sie einen Tipp für Frauen, die ein Unternehmen ähnlich dem Ihren führen?

Ariane Grandel: Trauen Sie sich, Ihre eigene Handschrift zu hinterlassen. Vergleichen Sie sich nicht ständig und suchen Sie sich ein Team, das Ihre Stärken ergänzt – nicht eines, das genauso ist wie Sie. Führung ist eine gemeinsame Bewegung, kein Solo.

top-magazin-koblenz-favicon-lifestylemagazin
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.