Frau im Chefsessel: Ariane Grandel führt mit Mut und Herz
In dieser Reihe stellt Trainerin und Coach Gertrud Hirsch (Inhaberin der Schule für Unternehmer) Frauen vor, die ein Unternehmen führen und damit sehr erfolgreich sind. Diesmal spricht sie mit Ariane Grandel (39), der geschäftsführenden Gesellschafterin von GRANDEL – The Beautyness Company. Von heute auf morgen musste sie in die Rolle der Geschäftsführerin wechseln und führt seitdem das traditionsreiche Unternehmen mit knapp 200 Mitarbeitenden gemeinsam mit ihrem Cousin Dr. Gabriel Duttler. Und das sehr erfolgreich: Vor über einem Jahr wurde sie von der Stadt Augsburg mit dem Augusta-Preis ausgezeichnet. Zudem ist sie Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung Augsburg Stadt, seit März aktiv mit einer Schulpartnerschaft für die Realschule St. Ursula und sie ist im Stiftungskuratorium des Staatstheaters. Und vor über einem Jahr ist sie Mutter geworden. Wie sie es schaff t, all das unter einen Hut zu bringen und welcher Weg für sie der richtige ist, erzählt sie unter anderem im Interview.
Gertrud Hirsch: Zusammen mit Ihrem Cousin haben Sie die Nachfolge Ihres Vaters angetreten, der 2019 unerwartet verstorben ist, und leiten damit das Unternehmen in dritter Generation. Eine herausfordernde und sicher auch schöne Aufgabe. Worin lagen für Sie die größten Herausforderungen und was hat Ihnen geholfen, sie zu meistern?
Ariane Grandel: Eine besondere Herausforderung war es für mich, sehr plötzlich einen eigenen Weg zu finden. Wir sind ein Familienunternehmen mit einer starken Historie, gleichzeitig aber auch eine sehr moderne Marke. Ich durfte lernen, mir selbst zu erlauben, Dinge anders zu machen – im Spannungsfeld zwischen Tradition und Zukunft. Geholfen hat mir dabei vor allem der regelmäßige Austausch mit meinem Cousin, ein starkes Team an meiner Seite und die tiefe Überzeugung, dass Unternehmen sich dann gesund weiterentwickeln, wenn jede Generation mutig genug ist, eigene Akzente zu setzen. Unser Familienunternehmen als Doppelspitze führen zu können, ist für uns beide eine enorme Bereicherung und gleichzeitig eine Entlastung.
Gertrud Hirsch: Eine Unternehmensübergabe innerhalb der Familie ist ein Balanceakt zwischen Tradition, Erwartungen und dem eigenen Weg. Welche Erfahrungen möchten Sie Frauen mitgeben, die gerade selbst in dieser sensiblen Phase stehen?
Gertrud Hirsch: GRANDEL ist immer schon für langjährige Mitarbeiter bekannt. Welche Prinzipien oder Grundwerte tragen dazu bei, dass Ihre Mitarbeitenden motiviert, loyal und leistungsbereit bleiben? Gibt es ein „Geheimnis“?
Gertrud Hirsch: Als Inhaberin der Schule für Unternehmer interessiert mich Ihre Erfahrung als Unternehmerin: Was sollten Frauen besonders im Blick behalten, wenn sie sich weiterbilden möchten, um ihre Führungsrolle mit Klarheit und Selbstvertrauen auszufüllen?
Ariane Grandel: Weiterbildung sollte immer an der eigenen Persönlichkeit anknüpfen. Frauen rate ich besonders, an ihrem Selbstvertrauen zu arbeiten – häufig ist nicht Kompetenz das Problem, sondern der eigene Anspruch an Perfektion. Dafür finde ich Formate hilfreich, die Raum für Austausch bieten: Netzwerke, Mentoringprogramme oder Workshops, in denen man Erfahrungen teilt und voneinander lernt. Klarheit entsteht durch Reflexion – und Mut durch Vorbilder.
Gertrud Hirsch: Was wünschen Sie sich für die Zukunft Ihres Unternehmens – für die Menschen darin, für die Kultur, für die Wirkung nach außen?
Ariane Grandel: Ich wünsche mir, dass unser Unternehmen weiterhin ein Ort bleibt, an dem Menschen gerne arbeiten, weil sie sich wertgeschätzt und gesehen fühlen. Kulturell wünsche ich mir, dass wir mutig bleiben, uns weiterentwickeln und gleichzeitig unsere Wurzeln bewahren. Und weiterhin als das wahrgenommen werden, was wir sind: ein Unternehmen mit Herz, Qualität und echter Verantwortung.
Ariane Grandel: Trauen Sie sich, Ihre eigene Handschrift zu hinterlassen. Vergleichen Sie sich nicht ständig und suchen Sie sich ein Team, das Ihre Stärken ergänzt – nicht eines, das genauso ist wie Sie. Führung ist eine gemeinsame Bewegung, kein Solo.

